Willkommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Finowfurt

AN(GE)DACHT...
Hereinspaziert

 

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.
Mt 2,10 – Monatsspruch Dezember 2018

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde unserer Kirchengemeinden,

warum sind sie losgezogen? Was hat sie getrieben? Was haben sie erwartet? Ausgerechnet in Richtung Dunkelheit? Sie kamen aus dem Osten, da wo die Sonne aufgeht, da wo eigentlich Licht ist. Und sie wendeten ihren Blick und ihre Schritte entgegen gesetzt in Richtung Westen – da wo es dunkel wird, wo die Sonne untergeht. Warum nur? Ich rede – Sie wissen es (hoffentlich) längst – von den „drei Weisen aus dem Morgenland“ – von denen uns das Matthäusevangelium berichtet (Namen haben die drei übrigens dort nicht und auch „Könige“ wurden sie erst später).

Dennoch: weise Menschen – die sich auf den Weg machen... ich hab mich gefragt: könnte ein Teil ihrer Weisheit genau darin bestanden haben, dass sie sich eben in diese Richtung aufmachten? Ausgerechnet in diese Richtung! In Richtung, wo es finster wird. Wo Dunkelheit nicht nur möglich, sondern sehr direkt erwartbar ist? Da, wo es dunkel (sein) wird – damals wie heute (Petitesse am Rande: vielleicht kamen jene gar aus dem heutigen Syrien oder dem heutigen Irak)?

Zeitsprung: noch heute beschreiten Menschen diesen Weg. In Richtung Dunkelheit – weil sie es müssen; nicht, weil sie wollen. Die eine erfährt eine erschütternde Diagnose und über die folgenden Jahre Verknüpfungen von eigenem Schmerz und entgegen gebrachtem Unverständnis – und sie macht sich auf den Weg. Andere erleiden in Beziehungen oder im Job „Schiffbruch“  – und machen sich auf den Weg. Eine Familie muss mit der gesundheitlichen Bedrohung eines ihrer geliebten Kinder umgehen – und macht sich auf den Weg. Für wieder Andere reißt der unvorhergesehene Tod eines lieben Menschen ein unfassbar großes Loch – sie machen sich auf den Weg. Die Reihe ist lang, auch bunt, vor allem aber traurig … so gesehen: gemeinsam sind wir auf dem Weg in und durch Dunkelheiten, weil es anders gar nicht geht!

Die „drei Weisen aus dem Morgenland“ sind an dieser Stelle – glaub ich – ein Spiegelbild. Irrlichtern durch ihre Gegenwart und versuchen doch weiter zu sehen. Haben ein vielleicht dumpfes, noch unkonkretes Gefühl darüber, dass da doch noch mehr sein muss. Geben nicht auf. Suchen. Und dann (!): „… da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“

Darin sind sie mir überaus sympathisch. Und: dafür will ich ihnen danken! In dieser Adventszeit. Ganz persönlich und im Chor der Vielen. Suchen, warten, durchhalten, sehen, verstehen – das ist Advent – nicht nur im Dezember!

Wo Gott dabei ist? Ein wirklich großer Theologe des 20sten Jahrhunderts sagte es einmal so: „Er lebt wohl im Himmel, aber auch auf der Erde, auch in Basel (... auch in Altenhof, Finowfurt, Lichterfelde und Werbellin – U.H.) … auch unter uns. Er ist der allzeit und überall nahe Gott … Er ist uns näher, als wir uns selber sind.“ (Karl Barth)

Bleiben Sie, bleibt ihr adventlich behütet und gesegnet       Ihr/ Euer Ulf Haberkorn

 

zurück zum Seitenanfang

©2009 Kirchengemeinde Finowfurt