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Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Kor. 12,9)
Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde unserer Kirchengemeinden,
einen tiefen, nahezu intimen Blick in seine Seele gewährt uns der Apostel Paulus mit der diesjährigen Jahreslosung. Paulus erinnert sich mit Sicherheit der hellen und glücklichen Stunden seines Lebens. Für den Moment jedoch scheint ihm eher die Bedrängnis und das Leid gegenwärtig zu sein. Ein „Stachel“ sitzt ihm im Leib, macht ihn krank, lässt ihn leiden. Dreimal hat er Gott gebeten, dass dieser ihm helfen möge und das Leid von ihm nehmen möge. Doch es ist nicht geschehen. Obendrein gibt es in seiner Gemeinde in Korinth auch noch einige Lügenapostel, die ihm mit dem, was sie sagen und dem, was sie tun, das Leben schwer machen. Es läuft alle andere als rund. Und in dieser seiner Not erfährt er eine Zusage. Jesus spricht zu ihm und wir hören mit: „Meine Gnade ist für dich genügend, denn meine Kraft gelangt in der Schwachheit zur Vollendung.“ (Hermann Menge) oder eben: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (Martin Luther)
Gerade in deiner Schwachheit – so hört und lernt es Paulus – gerade in dem, was du nicht beeinflussen kannst und was dich gefangen hält, gerade darin bin ich mit meiner Gnade bei dir. Hier geht es nicht mehr um große Dinge, um mächtige Worte und Taten – nein, hier kommt deine Schwachheit zur Sprache. Und es ist – so wie es ist, so wie du bist – in Ordnung. In der Schwäche habe ich eine Chance, neu zu dir vorzudringen. In dem, was gerade schmerzt und herausfordert – will und werde ich dir besonders nahe sein. Meine Hilfe ist Gnade, ist Geschenk – nicht zu machen, nur zu empfangen. Trostworte für Paulus, Trostworte für uns.
Und zugleich Aufgabe! Zu wenig wäre es, sich zurückzuziehen mit dem Verweis auf Gottes Gnadenwirken. Natürlich ist es allein Gnade, mit der uns Gott ansieht. Sie aber zum Anlass zu nehmen, um sich dahinter zu verstecken, wäre falsch. Gottes Gabe ist auch Aufgabe! Ich glaube, Gott will lebendige und tatkräftige und zugleich demütige und empfangende Menschen. Und so ist es die Aufgabe der „Starken“, sich den Schwachen nicht zu entziehen, sondern ihre Stärke(n) zu deren Wohle einzusetzen. Und zugleich ist es Aufgabe der „Schwachen“, sich nicht hinter vermeintlichen oder offensichtlichen Schwachheiten zu verstecken und ihre Hilflosigkeit zu instrumentalisieren. Wenn beide, Starke und Schwache, ihr Leben mit Dankbarkeit sehen lernen, entsteht Spielraum. Neues kann entstehen. Gott kommt zum Zuge. Der Starke darf seine Schwäche(n) zugeben und der Schwache kann – bei aller Einschränkung – neue Stärken entdecken. Und beide – Starke und Schwache – stehen immer auch auf der jeweils anderen Seite. Keiner ist immer nur stark, keiner ist immer nur schwach! Am Ende dann werden beide die Gnade, die ihnen widerfahren ist, weitergeben und sie damit zurückgeben an Gott.
Bleiben Sie behütet!
Ihr Ulf Haberkorn
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